Österreich macht Ernst: €2 pro Paket ab sofort
Seit Anfang 2026 gilt in Österreich eine neue Paketabgabe: Für jedes Paket, das an einen Endkunden geliefert wird, fallen zwei Euro an. Klingt erstmal überschaubar — ist es aber nicht, wenn du regelmäßig nach Österreich verkaufst und täglich Bestellungen dorthin schickst. Bei 50 Paketen pro Tag summiert sich das auf 100 Euro täglich, also über 36.000 Euro im Jahr allein für österreichische Lieferungen.
Die Abgabe trifft vor allem internationale E-Commerce-Plattformen und Händler, die Österreich als Absatzmarkt nutzen. Große Plattformen wie Amazon haben bereits reagiert und kalkulieren die Abgabe in ihre Pricing-Strukturen ein. Für kleinere Händler ohne entsprechende Margen kann das schnell zum Problem werden.
Das Besondere: Die Steuer wurde explizit als Reaktion auf das hohe Paketaufkommen durch den Online-Handel eingeführt. Österreich argumentiert mit Infrastrukturkosten, Verkehrsbelastung und Umweltauswirkungen. Ob das rechtlich wasserdicht ist, bezweifeln viele Juristen — aber vorerst gilt sie.
Wen betrifft die Paketsteuer konkret?
Die Abgabe gilt für alle Pakete, die an Privatkunden in Österreich geliefert werden. Das betrifft dich als Händler unabhängig davon, ob du auf Amazon, eBay, Kaufland oder über deinen eigenen Shop verkaufst. Entscheidend ist der Zustellort — nicht dein Firmensitz.
Aktuell sind B2B-Lieferungen von der Abgabe ausgenommen. Wenn du also ausschließlich an Gewerbetreibende in Österreich lieferst, bist du (noch) nicht betroffen. Für den klassischen Marktplatz-Händler mit Privatkunden ändert sich jedoch die Kostenkalkulation spürbar.
Wichtig: Die Pflicht zur Abführung der Abgabe liegt formal beim Paketdienstleister — also bei DHL, DPD, GLS oder Hermes. Diese geben die Kosten jedoch direkt an die Versender weiter. In der Praxis bedeutet das: Dein Versandkostenblock steigt für österreichische Lieferungen automatisch um zwei Euro, sobald die Carrier die Abgabe in ihre Tarife einpreisen.
Einige Versender haben diese Anpassung bereits vorgenommen. Andere werden folgen. Überprüfe jetzt, welche Versanddienstleister du für Österreich nutzt und ob deren aktuelle Konditionen die Abgabe bereits enthalten oder ob eine gesonderte Nachberechnung erfolgt.
Was das für deine Kalkulation bedeutet
Zwei Euro klingen wenig. Aber bei Produkten mit niedrigen Margen — etwa im Elektronik-Zubehör-Bereich, bei Büchern oder Verbrauchsartikeln unter 15 Euro — kann das der entscheidende Unterschied zwischen Gewinn und Verlust sein.
Rechne konkret nach: Wie viele Pakete schickst du im Monat nach Österreich? Multipliziere diese Zahl mit zwei und du siehst, wie viel du monatlich zusätzlich belastet wirst. Wenn das ein signifikanter Betrag ist, brauchst du eine Antwort darauf — entweder über Preiserhöhungen, separate Versandkostenzuschläge für Österreich oder eine Entscheidung, ob sich der Markt zu diesen Konditionen noch lohnt.
Für Händler, die Österreich bisher als attraktiven Markt mit wenig Wettbewerb gesehen haben, lohnt sich jetzt eine Neubewertung. Die Abgabe macht Österreich nicht unattraktiv — aber sie verändert die Marge-Gleichung.
Praktisch umsetzen kannst du das, indem du in deinem Shopsystem oder auf den Marktplätzen separate Versandkostenpositionen für Österreich einrichtest. Amazon erlaubt beispielsweise länderspezifische Versandkosten-Templates. Nutze diese, um die Mehrkosten transparent an den Endkunden weiterzugeben statt sie selbst zu tragen.
Kommt die Paketsteuer jetzt auch nach Deutschland?
Das ist die Frage, die gerade viele beschäftigt. Österreich ist nicht das erste europäische Land mit einer Paketabgabe — und es wird nicht das letzte sein. In mehreren EU-Ländern werden ähnliche Modelle diskutiert, darunter auch Deutschland.
Die politische Debatte in Deutschland dreht sich um ähnliche Argumente: Verkehrsinfrastruktur, CO₂-Emissionen durch Last-Mile-Delivery, und die Forderung, dass der Online-Handel stärker zur Finanzierung dieser Infrastruktur beiträgt. Der Druck kommt vor allem aus kommunaler Richtung und von stationären Händlern, die sich benachteiligt sehen.
Konkrete Gesetzgebung ist in Deutschland aktuell nicht absehbar. Es gibt keine Bundesratsinitiative und keinen Gesetzentwurf. Aber das österreichische Modell wird genau beobachtet — auch von deutschen Finanzpolitikern. Falls die Abgabe in Österreich rechtlich hält und die erhofften Einnahmen bringt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf Deutschland.
Was bedeutet das für dich? Kurzfristig: nichts. Mittelfristig: bereite dich gedanklich darauf vor. Wer heute eine flexible Versandkostenstruktur aufbaut, die länderspezifische Zuschläge ermöglicht, ist morgen besser aufgestellt als wer alles über einen Einheitspreis abbildet.
So bereitest du dich als Händler jetzt vor
Der wichtigste erste Schritt ist Transparenz: Verschaffe dir einen Überblick, wie viele Pakete du monatlich nach Österreich sendest und welche Margen du dort erzielst. Ohne diese Zahlen kannst du keine fundierte Entscheidung treffen.
Dann prüfe deine Versanddienstleister. Hat DHL, DPD oder wer auch immer du nutzt die Abgabe bereits in die Tariflisten integriert? Oder kommt eine separate Nachberechnung? Das ist entscheidend für deine Kalkulation.
Passe anschließend deine Versandkostenstruktur an. Plattformen wie Amazon, Kaufland und eBay erlauben länderspezifische Versandkosten. Setze diese für Österreich bewusst an, statt pauschal einen EU-Versandpreis zu verwenden. So vermeidest du, dass die Abgabe einfach in deiner Marge verschwindet, ohne dass du es merkst.
Beobachte außerdem die Entwicklungen in anderen EU-Ländern. Wenn weitere Märkte ähnliche Abgaben einführen — was wahrscheinlich ist — ändert sich die gesamte Versandkostenstrategie für grenzüberschreitenden E-Commerce. Wer das frühzeitig antizipiert, hat einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern die erst reagieren wenn die Rechnung kommt.
Wenn du Fragen zur konkreten Umsetzung für deine Marktplatz-Strategie hast, hilft dir Netzgeeks gern weiter — ob bei der Versandkosten-Konfiguration auf Amazon, bei der Multichannel-Strategie oder bei der Kalkulation deiner Margen unter veränderten Rahmenbedingungen.
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Wer noch nicht nachgerechnet hat: Die 2-Euro-Abgabe drückt den Deckungsbeitrag pro Sendung — besonders bei günstigen Artikeln unter 10 Euro spürbar.
Häufige Fragen
Als Spezialist für Multichannel-E-Commerce begleitet Dennis Händler bei der technischen und strategischen Skalierung ihrer Online-Geschäfte. Sein Fokus liegt auf der nahtlosen Verknüpfung von Warenwirtschaftssystemen wie JTL und Billbee mit führenden Marktplätzen wie Amazon, eBay und OTTO. Dennis kombiniert tiefgreifendes Systemwissen mit praktischer Erfahrung, um komplexe Verkaufsprozesse zu automatisieren und die Sichtbarkeit über alle Kanäle hinweg nachhaltig zu steigern.

