Du optimierst deine eBay-Listings, schreibst gute Titel, lädst schöne Bilder hoch — und trotzdem ranken deine Artikel weit hinten. Kein Klick, kaum Umsatz. Das Geheimnis dahinter heißt eBay Cassini. Cassini ist der Suchalgorithmus von eBay, der entscheidet, welche Listings bei welcher Suchanfrage wie weit oben erscheinen. Wer versteht, wie Cassini funktioniert, kann die eigenen Listings gezielt optimieren — nicht nach Bauchgefühl, sondern nach den Faktoren, die tatsächlich zählen. In diesem Beitrag bekommst du den praxisnahen Überblick.
Was ist eBay Cassini und warum ist er so wichtig?
eBay Cassini ist der proprietäre Suchalgorithmus, den eBay seit 2013 einsetzt. Benannt nach dem Astronomie-Raumsonde, die komplexe Systeme navigiert, hat Cassini eine klare Aufgabe: Es soll die Suchergebnisse so sortieren, dass Käufer schnell das finden, was sie suchen — und mit hoher Wahrscheinlichkeit kaufen. Das klingt logisch, hat aber weitreichende Konsequenzen für Verkäufer.
Anders als klassische Suchmaschinen wie Google optimiert Cassini nicht nur auf Relevanz, sondern explizit auf Kaufwahrscheinlichkeit. Ein Artikel, der zwar perfekt zum Suchbegriff passt, aber historisch schlechte Conversion-Zahlen hat, wird schlechter gerankt als ein Artikel mit weniger perfektem Titel, der aber regelmäßig gekauft wird. Das ist der entscheidende Unterschied, den viele Verkäufer unterschätzen.
Für dich als Händler bedeutet das: Der eBay Cassini-Algorithmus belohnt nicht nur gute Texte, sondern echte Kauferlebnisse. Alles, was am Ende zu mehr abgeschlossenen Transaktionen führt — Preis, Fotos, Versandbedingungen, Bewertungen, Reaktionsgeschwindigkeit — fließt in die Ranking-Entscheidung ein. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Faktoren kannst du aktiv beeinflussen.
Faktor 1: Relevanz — Titel, Kategorie und Itemspezifika
& Verkäufe auf eBay
Der erste Bereich, den Cassini bewertet, ist die inhaltliche Relevanz deines Listings. Hier geht es darum, ob dein Artikel für eine bestimmte Suchanfrage überhaupt in Frage kommt. Dieser Filter läuft vor der eigentlichen Ranking-Entscheidung — wer hier rausfällt, erscheint gar nicht erst.
Der Titel ist der wichtigste Relevanz-Faktor. eBay gibt dir 80 Zeichen — nutze sie vollständig. Packe die wichtigsten Keywords nach vorne: Produktname, Marke, Modell, Größe, Farbe, Zustand. Vermeide Füllwörter wie „schön“ oder „TOP-Angebot“, die keiner sucht. Ein guter eBay-Titel liest sich nicht wie ein Werbetag, sondern wie eine präzise Produktbeschreibung.
Itemspezifika sind der am häufigsten unterschätzte Relevanz-Faktor. eBay hat in den letzten Jahren zunehmend auf strukturierte Daten gesetzt — Käufer filtern nach Marke, Größe, Material, Zustand. Wer diese Felder leer lässt, wird in gefilterten Suchanfragen schlicht nicht angezeigt. Fülle jedes verfügbare Feld aus, auch wenn es sich redundant anfühlt. Cassini liest diese Daten direkt und nutzt sie für die Relevanz-Einstufung.
Auch die Kategorie zählt. Wer ein Produkt in der falschen Kategorie einstellt, verliert Sichtbarkeit — selbst wenn der Titel perfekt ist. Prüfe bei jedem Artikel, ob die gewählte Kategorie wirklich die spezifischste verfügbare ist, nicht nur die nächstliegende.
Faktor 2: Verkäufer-Performance — was eBay über dich weiß
eBay Cassini bewertet nicht nur den Artikel, sondern auch den Verkäufer dahinter. Die Performance-Metriken, die eBay intern trackt, fließen direkt ins Ranking ein — und schlechte Werte können selbst optimierte Listings nach hinten schieben.
Die wichtigste Kennzahl ist die Transaktionsdefektrate (TDR). eBay zählt als „Defekt“ alles, was eine Transaktion aus Käufersicht negativ macht: Stornierungen durch den Verkäufer, Fälle die eBay zu Gunsten des Käufers entscheidet, und negative Bewertungen. Liegt deine TDR über dem eBay-Schwellenwert, wirst du im Ranking spürbar zurückgestuft — bis hin zum Verlust des Top Rated Seller Status.
Die späte Lieferungsrate ist ein weiterer harter Faktor. eBay trackt, ob Artikel innerhalb des angegebenen Lieferfensters ankommen. Wer zu großzügige Lieferzeiten angibt, um auf der sicheren Seite zu sein, schadet sich ebenfalls — denn Listings mit kurzen, verlässlichen Lieferzeiten ranken grundsätzlich besser. Wenn du tatsächlich schnell lieferst, gib das auch an.
Der Feedback Score und die positive Bewertungsquote sind die sichtbarsten Performance-Indikatoren. Für Cassini sind sie ein Proxy für Käuferzufriedenheit. Wer dauerhaft unter 98% positiver Bewertungen liegt, hat ein strukturelles Ranking-Problem. Beantworte Käufernachrichten schnell, löse Probleme kulant, und bitte zufriedene Käufer — wo es angemessen ist — aktiv um Feedback.
Faktor 3: Conversion-Signale — was Cassini aus dem Käuferverhalten lernt
Cassini lernt ständig dazu, was Käufer wirklich wollen. Dafür wertet der Algorithmus das tatsächliche Verhalten von Käufern bei deinen Listings aus — und das beeinflusst dein Ranking mehr, als viele Händler ahnen.
Die Klickrate (CTR) ist das erste Signal: Wie oft wird dein Listing angeklickt, wenn es in den Suchergebnissen erscheint? Ein Listing, das selten angeklickt wird, interpretiert Cassini als „irrelevant für diese Suchanfrage“ — und rankt es weiter nach unten. Das Hauptbild spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es ist das Einzige, was Käufer im Suchergebnis sehen, bevor sie klicken. Professionelle Fotos auf weißem Hintergrund, klare Produktansicht ohne überlagernde Texte — das erhöht die CTR messbar.
Die Verkaufshistorie ist Cassinis stärkstes Conversion-Signal. Ein Artikel, der regelmäßig verkauft wird, interpretiert der Algorithmus als bewährt — und rankt ihn höher. Das schafft einen klassischen Matthäus-Effekt: Wer gut rankt, verkauft mehr; wer mehr verkauft, rankt besser. Als neuer Verkäufer oder bei neuen Listings musst du diesen Kreislauf erst in Gang setzen — etwa durch wettbewerbsfähige Preise in der Anlaufphase.
Die Watch-Rate — wie viele Käufer dein Listing auf die Beobachtungsliste setzen — ist ein weiteres positives Signal. Hohe Watch-Rates zeigen Cassini, dass das Listing Interesse weckt, auch wenn noch kein Kauf stattgefunden hat. Das kann temporär das Ranking verbessern.
Faktor 4: Preis und Versandkosten
eBay Cassini hat eine klare Präferenz für wettbewerbsfähige Preise. Das bedeutet nicht zwingend, dass du der Günstigste sein musst — aber du solltest nicht deutlich teurer als vergleichbare Listings sein, ohne einen erkennbaren Mehrwert zu bieten.
Kostenloser Versand ist auf eBay ein starkes Ranking-Signal. eBay hat intern bestätigt, dass Listings mit kostenlosem Versand in den Suchergebnissen bevorzugt behandelt werden. Das bedeutet: Wenn es preislich möglich ist, solltest du die Versandkosten in den Produktpreis einkalkulieren und „Kostenloser Versand“ anzeigen. Käufer reagieren positiv darauf, und Cassini registriert das als Qualitätsmerkmal.
Auch die Versandgeschwindigkeit fließt in den Preis-Kontext ein. Ein teurer Artikel mit Expressversand kann gegenüber einem günstigeren Artikel mit langer Lieferzeit durchaus bevorzugt ranken — weil eBay weiß, dass Käufer Wartezeiten hassen und schnelle Lieferung als Qualitätsmerkmal wahrnehmen.
Faktor 5: Listing-Qualität und Top Rated Seller
eBay vergibt den Top Rated Seller Status an Verkäufer, die dauerhaft hohe Performance-Standards erfüllen. Dieser Status ist nicht nur ein Badge — er ist ein direkter Ranking-Vorteil. Top Rated Listings erscheinen in den Suchergebnissen priorisiert und erhalten das begehrte goldene Siegel, das Käufern Vertrauen signalisiert.
Die Kriterien für den Top Rated Status sind anspruchsvoll, aber erreichbar: mindestens 100 Transaktionen und 1.000 € Umsatz in den letzten zwölf Monaten, TDR unter 0,5 %, Versandverzögerungsrate unter 3 %, und eBay-Käuferschutz-Fälle unter 0,3 %. Wer diese Schwellen dauerhaft unterschreitet, rankt systematisch besser — eine der wirkungsvollsten Investitionen, die du als Händler machen kannst.
Bilder sind ebenfalls ein harter Qualitätsfaktor. eBay empfiehlt mindestens 500×500 Pixel, bevorzugt 1600×1600 Pixel oder mehr. Das erste Bild muss ein weißer Hintergrund ohne Texte, Rahmen oder Wasserzeichen sein — andernfalls kann eBay das Listing aktiv zurückstufen. Nutze alle verfügbaren Bildplätze und zeige das Produkt aus verschiedenen Winkeln.
6 konkrete Cassini-Optimierungen, die sofort wirken
Theorie ist gut, Umsetzung ist besser. Hier sind sechs Maßnahmen, die du direkt in deinen eBay-Listings umsetzen kannst:
1. Titel nach Suchvolumen optimieren: Schreib Titel aus Käuferperspektive, nicht Verkäuferperspektive. Frag dich: Was würde jemand eingeben, der genau dieses Produkt sucht? Tools wie die eBay-Suchautovervollständigung geben dir sofort Hinweise auf häufige Suchbegriffe.
2. Alle Itemspezifika vollständig ausfüllen: Öffne deine meistverkauften Listings und prüfe, ob alle verfügbaren Felder ausgefüllt sind. Jedes leere Feld ist eine verpasste Chance, in gefilterten Suchen zu erscheinen.
3. Erstes Bild professionalisieren: Das Hauptbild entscheidet über die CTR. Weißer Hintergrund, gute Beleuchtung, das Produkt mittig und vollständig sichtbar. Wenn du kein Fotostudio hast, reicht oft schon eine weiße Pappe als Hintergrund und Tageslicht.
4. Versandkosten in Preis einkalkulieren: Wo es die Marge erlaubt, wechsle zu „Kostenlosem Versand“. Das signalisiert Cassini Qualität und erhöht gleichzeitig die Klickbereitschaft bei Käufern.
5. Lieferzeiten realistisch und knapp ansetzen: Gib an, was du tatsächlich leisten kannst. Lieferst du in der Regel in zwei Tagen, setze zwei Tage an — nicht fünf als Puffer. Schnelle, zuverlässige Lieferzeiten verbessern das Ranking messbar.
6. Nicht-Zahler konsequent melden: Nicht gemeldete Nicht-Zahler schaden deinen Statistiken still. Leite jede Transaktion ohne Zahlungseingang durch den offiziellen eBay-Prozess — das schützt deine TDR langfristig.
Der eBay Cassini-Algorithmus ist kein Mysterium, sondern ein System mit klaren Regeln. Wer diese Regeln kennt und konsequent umsetzt, kann sein Ranking auch ohne bezahlte Werbung deutlich verbessern.
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