Amazon benutzerdefinierte Feiertage einstellen klingt nach einer kleinen administrativen Aufgabe. In der Realität ist es jedoch einer der am meisten unterschätzten Performance-Hebel im Amazon Seller Central – insbesondere für FBM- und Seller-Fulfilled-Prime-Seller.
Während Preise, Advertising, Produktdetailseiten und Repricing in vielen Accounts regelmäßig optimiert werden, bleibt die Versandlogik bei Amazon oft über Jahre unverändert. Genau hier entsteht ein strukturelles Risiko: Amazon trifft Entscheidungen nicht auf Basis deiner operativen Realität, sondern ausschließlich auf Grundlage der Daten, die im System hinterlegt sind.
Amazon weiß nicht, wann dein Lager zu ist
Amazon weiß nicht, wann dein Team an regionalen Feiertagen nicht arbeitet. Es weiß nicht, dass bestimmte Carrier an einzelnen Tagen keine Abholung oder Zustellung durchführen. Es weiß nicht, dass dein Spediteur über Weihnachten pausiert oder deine Cut-off-Zeit an Samstagen anders ist.
Was nicht explizit in Seller Central definiert ist, wird als verfügbar interpretiert.
Das bedeutet: Wenn du deine Feiertage in Amazon Seller Central nicht hinterlegst, geht Amazon davon aus, dass du auch an diesen Tagen zuverlässig versenden kannst. Das führt zu falschen Lieferzusagen, Performanceproblemen – und im schlimmsten Fall zum Verlust deiner Prime-Berechtigung.
Warum sind die Versandeinstellungen in Seller Central so wichtig?
Amazon berechnet die voraussichtliche Lieferzusage für jedes Produkt in Echtzeit – abhängig von:
- deiner Handling Time (Bearbeitungszeit)
- deinen Carrier Cut-off-Zeiten
- den hinterlegten Betriebstagen und Nicht-Versandtagen
- den Carrier-Logiken je Versanddienstleister
- der Lieferadresse des Kunden (PLZ & Versandregion)
- der Tageszeit der Bestellung (vor/nach Cut-off)
Wenn du keine benutzerdefinierten Feiertage eingetragen hast, geht Amazon systemisch davon aus, dass du auch an Feiertagen wie gewohnt versenden kannst. Deine Lieferzusage bei Amazon wird dann zu früh berechnet – und du kannst sie realistisch nicht einhalten.
Das führt zu:
- verspäteten Lieferungen
- Verstoß gegen deine OTD-Rate (< 95 %)
- möglichen Prime-Ausschlüssen
- Rückstufung im Buybox-Ranking
- automatisierten Repricing-Fehlern
- messbarem Umsatzverlust
Amazon Feiertage einstellen – so funktioniert es im Seller Central. Endlich ist die neue Einstellung da!
Pfad zur Einstellung:
Zahnrad → Versandeinstellungen → Allgemeine Versandeinstellungen → Feiertage → Benutzerdefinierte Feiertage
Hier kannst du pro Jahr die Feiertage und Betriebsschließtage anlegen, an denen dein Betrieb keine Aufträge verarbeitet oder versendet.
Wichtig:
- Die Feiertage gelten global z.B. für Amazon.de
- Du kannst sie je nach Bundesland oder Standort definieren
- Amazon berücksichtigt diese Tage bei der Lieferzusageberechnung
- Der Kunde sieht nur das Lieferdatum, das unter diesen Bedingungen eingehalten werden kann
Tipp: Lege Feiertage mindestens 4 Wochen im Voraus an – vor allem für Ostern, Brückentage, Black Friday, Weihnachten und Jahreswechsel
Auswirkungen falsch gepflegter Feiertage bei Amazon
Viele Händler merken die Folgen erst, wenn es zu spät ist. Typische Fehler:
- OTDR unter 95 % wegen verspäteter Zustellung rund um Feiertage
- Verlust der Prime-Berechtigung nach wiederholten Verstößen
- Repricing-Fehler, weil andere Angebote „scheinbar schneller“ liefern
- Sichtbarkeitsverlust, weil das System dich im Ranking abstraft
- Performanceverlust durch schlechte Carrier-Auswahl, wenn deren Nicht-Lieferzeiten nicht hinterlegt sind
Ergebnis: Deine Konkurrenz liefert (angeblich) schneller, gewinnt die Buybox – und du verlierst Umsatz, obwohl du realistisch und korrekt arbeitest.
So berechnet Amazon deine Lieferzusage – systemisch erklärt
Amazon arbeitet mit einer internen Formel, die alle folgenden Faktoren kombiniert:
- Betriebstage (Bearbeitungszeit) laut deinen Versandeinstellungen
- Handling Time je SKU
- Cut-off-Zeit je Versandgruppe
- Benutzerdefinierte Feiertage (falls gepflegt)
- Lieferzeit des Carriers (hinterlegte Carrier-Logik)
- Zieladresse des Kunden (regionale Berechnung)
Wenn du deine Feiertage bei Amazon nicht richtig einstellst, werden sie in Punkt 1 und 4 ignoriert – was zu systemisch falschen Lieferterminen führt.
Best Practice: Feiertage professionell managen
So gehst du vor:
- Prüfe jährlich alle bundeslandspezifischen Feiertage, Brückentage & Betriebspausen
- Lege sie als benutzerdefinierte Feiertage im Seller Central an
- Aktualisiere deine Cut-off-Zeiten, z. B. für reduzierte Samstagslogistik
- Überprüfe die hinterlegte Handling Time pro SKU – vor allem für Eigenversand
- Simuliere Liefertermine mit Testkäufen (Postleitzahlenmix)
- Kontrolliere regelmäßig deine OTDR im Seller Central
Fazit: Amazon Versandlogik verstehen, Fehler vermeiden, Prime behalten
Die Versandlogik bei Amazon ist kein Black Box System – sie ist klar definiert und systemisch nachvollziehbar. Wer sie ignoriert, verliert langfristig Sichtbarkeit, Prime, Umsatz und Performance.
Amazon entscheidet auf Basis deiner eingestellten Versandtage – nicht auf Basis deiner Realität. Endlich ist diese wichtige Feiertagseinstellung verfügbar!

